Warum eine saubere Kalkulation bei der Zweitwohnung entscheidend ist

Eine zweite Wohnung wirkt auf dem Papier oft machbar: Ein zusätzlicher Kredit, etwas Mieteinnahmen aus Kurzzeitvermietung, dazu die eigene Nutzung an Wochenenden. In der Praxis entstehen jedoch viele kleine und einige große Kostenblöcke, die sich schnell summieren. Wer die Zweitwohnung richtig kalkulieren möchte, braucht deshalb einen Plan, der Cashflow, Reserven und Rendite gemeinsam betrachtet – und zwar über mehrere Jahre.

Gerade in Deutschland und Österreich sind die Rahmenbedingungen je nach Stadt, Bundesland bzw. Bundesland/Bezirk unterschiedlich: Zweitwohnsitzsteuer (kommunal), Regeln zur Kurzzeitvermietung, Abgaben, Betriebskostenmodelle, Versicherungsanforderungen oder die Frage, wie steuerlich Werbungskosten, Abschreibungen und Einnahmen zu behandeln sind. Zusätzlich beeinflussen Faktoren wie Zinsniveau, Energiekosten, Sanierungspflichten und die lokale Nachfrage die Rentabilität.

In diesem Artikel erhalten Sie eine strukturierte Vorgehensweise, um:

  • die vollständigen Kosten (einmalig + laufend) zu erfassen,
  • realistische Einnahmeszenarien zu modellieren,
  • die Rendite mit verständlichen Kennzahlen zu beurteilen,
  • Risiken zu erkennen und Rücklagen sauber zu planen.

Schritt 1: Ziel und Nutzungsszenario definieren (bevor Sie rechnen)

Jede Berechnung ist nur so gut wie die Annahmen. Der wichtigste erste Schritt ist deshalb: Wofür ist die Zweitwohnung gedacht? Die Kosten- und Ertragsstruktur unterscheidet sich massiv je nach Nutzung.

Typische Szenarien in Deutschland & Österreich

  • Berufliche Zweitwohnung (Pendler, Projektarbeit, Wochenaufenthalte): Fokus auf Kostenkontrolle, steuerliche Absetzbarkeit (je nach Situation), geringe Leerstandszeiten.
  • Ferienwohnung zur Eigennutzung (Nord-/Ostsee, Alpen, Seen): Nutzen steht im Vordergrund, Rendite oft zweitrangig, dafür sind Nebenkosten und Instandhaltung kritisch.
  • Teilweise vermietete Zweitwohnung: Mischung aus Eigennutzung und Vermietung; hier sind Auslastung, Reinigungs-/Servicekosten und Regeln zur Kurzzeitvermietung zentral.
  • Kapitalanlage (langfristige Vermietung): Fokus auf Mietrendite, Leerstand, Mietrecht, Instandhaltungsrücklage und Finanzierungskonditionen.

Praxis-Tipp: Schreiben Sie Ihre Nutzung als einfache Formel auf, z. B. „10 Wochen Eigennutzung + 20 Wochen Ferienvermietung + 22 Wochen Leerstand/Übergang“. So zwingen Sie sich zu realistischen Annahmen, die später in die Renditeberechnung eingehen.

Schritt 2: Einmalige Kosten vollständig erfassen (Kauf, Start, Einrichtung)

Viele rechnen nur den Kaufpreis und den Kredit – und unterschätzen die Startkosten. Eine solide Kalkulation der Zweitwohnung beginnt mit der Summe aller einmaligen Posten, die Ihre Eigenmittel reduzieren oder zusätzlich finanziert werden müssen.

Einmalige Kosten beim Kauf (Deutschland)

  • Notar & Grundbuch
  • Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland unterschiedlich)
  • Maklerprovision (wenn zutreffend)
  • Gutachten/Immobilienbewertung (optional, aber oft sinnvoll)
  • Finanzierungsnebenkosten (Bereitstellungszinsen, Schätzkosten, ggf. Gebühren)

Einmalige Kosten beim Kauf (Österreich)

  • Grunderwerbsteuer und Eintragungsgebühr (Grundbuch)
  • Notar/Rechtsanwalt für Vertragserrichtung/Treuhandabwicklung
  • Maklerprovision (je nach Vermittlung)
  • Finanzierungskosten (Bearbeitung, Sicherheiten, ggf. Bewertung)

Startkosten nach dem Erwerb (oft unterschätzt)

  • Renovierung/Sanierung (Bäder, Küche, Böden, Fenster, Heizung)
  • Möblierung & Ausstattung (insbesondere bei Ferienvermietung)
  • Technik: Router, Smart-Home/Heizungssteuerung, Rauchmelder, ggf. Klimagerät
  • Sicherheits- und Zugangssysteme: Schlüsselmanagement, Schließanlage, ggf. Schlüsseltresor (rechtliche Vorgaben beachten)
  • Erstausstattung: Geschirr, Bettwäsche, Handtücher, Reinigungsgeräte

Empfehlung: Legen Sie für Startkosten einen separaten Puffer an (z. B. 5–15% des Kaufpreises, je nach Zustand). Bei älteren Objekten oder bei hoher energetischer Unsicherheit eher am oberen Ende.

Schritt 3: Laufende Kosten realistisch kalkulieren (monatlich & jährlich)

Der Kern jeder Rechnung sind die laufenden Kosten. Hier entscheidet sich, ob die Zweitwohnung eine komfortable Ergänzung oder ein dauerhafter Geldabfluss ist. Für Deutschland und Österreich gelten ähnliche Kostenarten, aber unterschiedliche Begriffe und Abrechnungslogiken.

1) Finanzierung: Zins, Tilgung, Nebenkosten

Bei finanzierten Zweitwohnungen ist die Kreditrate häufig der größte Posten. Wichtig ist, Zins und Tilgung getrennt zu betrachten:

  • Zinsen sind echte Kosten (Cashflow-Abfluss).
  • Tilgung ist Vermögensaufbau (Cashflow-Abfluss, aber erhöht Ihr Eigenkapital).

Für die Liquiditätsplanung zählt beides; für Renditekennzahlen sollten Sie bewusst entscheiden, ob Sie mit oder ohne Tilgung rechnen.

2) Hausgeld / Betriebskosten / Betriebskostenabrechnung

Bei Eigentumswohnungen fallen typischerweise Hausgeld (DE) bzw. Betriebskosten und Rücklagenanteile (AT/DE, je nach WEG/Verwaltung) an. Das umfasst häufig:

  • Hausverwaltung
  • Allgemeinstrom, Wasser (teilweise), Müll
  • Heizung (bei Zentralheizung), Wartung
  • Gebäudereinigung, Winterdienst
  • Aufzug, Außenanlagen
  • Instandhaltungsrücklage (sehr wichtig!)

Achtung: Nicht jede Position ist umlagefähig (bei Vermietung). Für Ihre Kalkulation ist entscheidend: Was zahlen Sie wirklich – und was können Sie ggf. an Mieter weitergeben?

3) Energie & Versorger (Strom, Gas/Fernwärme, Internet)

Zweitwohnungen haben oft einen Nachteil: Grundgebühren laufen auch bei Abwesenheit. Dazu kommen ggf. höhere Verbräuche durch häufiges Aufheizen/Abkühlen. Planen Sie:

  • Strom (Grundpreis + Verbrauch)
  • Heizung (Gas, Öl, Fernwärme, Wärmepumpe)
  • Internet/Telefon (für Homeoffice oder Feriengäste oft Pflicht)

4) Versicherungen

  • Wohngebäudeversicherung (bei Haus, teils über WEG bei Wohnung)
  • Hausratversicherung (bei möblierter Zweitwohnung sinnvoll)
  • Haftpflicht (z. B. Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht)
  • Elementarschäden (je nach Region: Hochwasser, Lawinenrisiko in Alpennähe etc.)

5) Instandhaltung, Reparaturen, Rücklagen

Auch ohne „große Sanierung“ fallen jährlich Reparaturen an: Armaturen, Geräte, Malerarbeiten, kleinere Wasserschäden. Eine Faustformel kann helfen, ersetzt aber nicht die Objektprüfung:

  • Wohnung: z. B. 10–20 EUR/m² Wohnfläche pro Jahr als Rücklage (je nach Alter/Zustand)
  • Haus: oft höher, da Dach/Fassade/Heizung allein zu tragen sind

Bei Ferienwohnungen mit häufig wechselnden Gästen steigt der Verschleiß – planen Sie dafür einen Zuschlag ein.

6) Steuern & Abgaben: Was bei der Zweitwohnung häufig vergessen wird

Je nach Ort und Nutzung können folgende Posten relevant sein:

  • Grundsteuer (DE; Höhe abhängig von Kommune und Bewertung)
  • Zweitwohnsitzsteuer (DE, kommunal – nicht überall, aber in vielen Städten)
  • Ortstaxe / Kurtaxe (AT/DE bei touristischer Vermietung, häufig pro Nacht/Person)
  • Umsatzsteuer (je nach Vermietungsform und Schwellen/Optionen; hier unbedingt steuerlich prüfen)

Hinweis: Die konkrete Ausgestaltung ist lokal und situationsabhängig. Für eine belastbare Planung empfiehlt sich ein kurzer Abgleich mit Steuerberatung bzw. Gemeinde/Finanzamt, insbesondere bei Ferienvermietung.

Schritt 4: Einnahmen richtig ansetzen (und nicht schöngerechnet)

Wenn die Zweitwohnung (teilweise) vermietet werden soll, entscheiden die Einnahmen über die Rendite. Typische Fehler sind: zu hohe Auslastung, zu niedrige Nebenkosten, keine Leerstandspuffer, fehlende Plattformgebühren oder unterschätzter Reinigungsaufwand.

Langfristige Vermietung: Netto-Kaltmiete & Leerstand

Bei klassischer Vermietung kalkulieren Sie mit:

  • Netto-Kaltmiete pro Monat
  • Nicht umlagefähige Nebenkosten (bleiben bei Ihnen)
  • Leerstandsrisiko: z. B. 1–2 Monatsmieten alle paar Jahre (konservativ einpreisen)

Ferien-/Kurzzeitvermietung: Auslastung, Saison, Gebühren

Für Deutschland und Österreich ist bei Kurzzeitvermietung die Saisonalität entscheidend (Sommer/Winter in Alpenregionen; Ferienzeiten; Messezeiten in Städten). Eine belastbare Kalkulation enthält:

  • Durchschnittlicher Tagespreis (ADR) nach Saison
  • Auslastung in % oder belegten Nächten
  • Plattform- und Zahlungsgebühren
  • Reinigungskosten (pro Aufenthalt oder pro Nacht umgerechnet)
  • Wäsche/Consumables: Toilettenpapier, Spülmaschinentabs, Kaffee, Seife
  • Übergaben/Schlüsselmanagement (externes Service möglich)
  • Rückstellungen für Schäden (Verschleiß, Kleinschäden)

Praxis-Tipp für konservative Planung: Rechnen Sie mit zwei Szenarien (Basis und Stress). Beispiel: Basis 55% Auslastung, Stress 35% – und prüfen Sie, ob Sie in beiden Fällen liquide bleiben.

Schritt 5: Renditekennzahlen verstehen – und richtig nutzen

„Lohnt sich das?“ ist nicht nur eine Bauchfrage. Mit wenigen Kennzahlen erhalten Sie einen klaren Blick auf Rentabilität und Risiko. Wichtig: Die passende Kennzahl hängt davon ab, ob Sie Eigennutzung, Vermietung oder beides planen.

Bruttomietrendite (schneller Überblick)

Bruttomietrendite = Jahreskaltmiete / Kaufpreis × 100

Vorteil: schnell. Nachteil: ignoriert Nebenkosten, Leerstand, Instandhaltung, Steuern und Finanzierung.

Nettomietrendite (realistischer)

Nettomietrendite berücksichtigt typischerweise laufende nicht umlagefähige Kosten und Rücklagen. Je nach Rechnung kann die Definition variieren – wichtig ist, dass Sie Ihre Posten transparent halten.

Cashflow (Liquidität im Alltag)

Cashflow ist für die meisten Eigentümer die wichtigste Größe: Bleibt monatlich Geld übrig – oder muss zugezahlt werden?

  • Cashflow vor Tilgung: Einnahmen – laufende Kosten – Zinsen
  • Cashflow nach Tilgung: zusätzlich minus Tilgung

Eigenkapitalrendite (Hebelwirkung der Finanzierung)

Wenn Sie finanzieren, wirkt ein Hebel: Schon kleine Wertsteigerungen oder Überschüsse können Ihre Eigenkapitalrendite stark beeinflussen – positiv oder negativ. In die Eigenkapitalrendite fließen meist Überschüsse, Tilgungseffekt und Wertentwicklung ein. Je nach Modell sollten Sie das sauber trennen und nicht vermischen.

Gesamtrendite inkl. Wertentwicklung (aber vorsichtig)

Wertsteigerung kann ein Renditetreiber sein – ist aber unsicher. Für eine vorsichtige Kalkulation:

  • Rechnen Sie im Basisszenario mit 0% Wertsteigerung.
  • Nutzen Sie ein zweites Szenario mit moderater Entwicklung (z. B. inflationsnah).

Schritt 6: Beispielrechnung – so könnte eine Kalkulation aussehen

Die folgenden Zahlen sind vereinfachte Beispielwerte, damit Sie das Prinzip sehen. Region, Objektzustand und Zinsniveau ändern alles – nutzen Sie diese Struktur als Vorlage.

Beispiel A: Berufliche Zweitwohnung (Miete statt Kauf)

  • Warmmiete: 1.050 EUR/Monat
  • Internet: 35 EUR/Monat
  • Strom: 45 EUR/Monat
  • Fahrtkosten/Heimfahrten: 200 EUR/Monat

Monatliche Gesamtkosten: ca. 1.330 EUR

Hier ist die zentrale Frage: Ist das günstiger als Hotel/Monteurzimmer? Wie hoch ist der Komfortgewinn? Gibt es steuerliche Möglichkeiten (je nach individueller Situation)?

Beispiel B: Gekaufte Zweitwohnung mit Teil-Ferienvermietung

Annahmen (vereinfacht):

  • Kaufpreis: 280.000 EUR
  • Kaufnebenkosten & Start: 35.000 EUR
  • Eigenkapital: 70.000 EUR
  • Darlehen: 245.000 EUR
  • Zins: 3,5% p.a., Tilgung: 2,0% p.a.

Laufende Kosten pro Jahr (Auszug):

  • Zinsen: ca. 8.575 EUR
  • Tilgung: ca. 4.900 EUR
  • Hausgeld/Verwaltung/Rücklage: 3.600 EUR
  • Strom/Heizung/Internet: 2.400 EUR
  • Versicherungen: 450 EUR
  • Instandhaltung extra: 1.500 EUR
  • Abgaben/Steuern (Schätzwert): 600 EUR

Einnahmen pro Jahr (Ferienvermietung):

  • Belegte Nächte: 120
  • Ø Preis pro Nacht: 120 EUR
  • Umsatz: 14.400 EUR
  • Plattformgebühren/Payment (z. B. 12%): -1.728 EUR
  • Reinigung (z. B. 40 Aufenthalte × 55 EUR): -2.200 EUR
  • Wäsche/Verbrauch (Schätzwert): -600 EUR

Netto-Einnahmen (vereinfacht): 9.872 EUR

Cashflow-Blick (vereinfacht):

  • Netto-Einnahmen: 9.872 EUR
  • abzgl. laufende Kosten ohne Tilgung (Zinsen + übrige Kosten): z. B. 8.575 + (3.600+2.400+450+1.500+600) = 17.125 EUR

In diesem stark vereinfachten Beispiel entsteht ein negativer Cashflow. Das kann trotzdem „okay“ sein, wenn Eigennutzung, Tilgungseffekt und langfristige Strategie passen – aber nur, wenn Sie es bewusst entscheiden und Liquiditätsreserven haben.

Wichtig: Bei realer Planung müssen steuerliche Effekte, Abschreibung, ggf. Umsatzsteuer-Optionen, lokale Abgaben, Instandhaltungszyklen und Saisons viel genauer modelliert werden.

Schritt 7: Rechtliche & lokale Besonderheiten (DE/AT) vorab prüfen

Die beste Renditeplanung hilft wenig, wenn die Nutzung rechtlich eingeschränkt ist. Vor allem bei Ferien- oder Kurzzeitvermietung sollten Sie früh prüfen, was erlaubt ist.

Kurzzeitvermietung: Genehmigungen, Zweckentfremdung, Hausordnung

  • Städte mit Regeln zur Zweckentfremdung können Kurzzeitvermietung beschränken oder meldepflichtig machen.
  • WEG/Verwaltung: Teilungserklärung und Hausordnung können Einschränkungen enthalten.
  • Nachbarschaft & Lärm: Häufige Gästewechsel erhöhen Konfliktpotenzial – kalkulieren Sie mit professionellem Gästemanagement.

Zweitwohnsitz: Melderecht, Steuern, Abgaben

  • In Deutschland ist häufig die Frage relevant: Hauptwohnsitz vs. Nebenwohnsitz und mögliche Zweitwohnsitzsteuer.
  • In Österreich können je nach Region/ Gemeinde Zweitwohnsitzregelungen und touristische Abgaben relevant sein (insbesondere in beliebten Ferienregionen).

Empfehlung: Erstellen Sie eine kurze Checkliste mit Links/Ansprechpartnern (Gemeinde, Stadt, Hausverwaltung, Steuerberatung). Das spart später teure Kurskorrekturen.

Schritt 8: Sensitivitätsanalyse – so testen Sie, ob Ihr Plan robust ist

Robuste Planung bedeutet: Sie wissen, welche Stellschrauben Ihre Rechnung kippen lassen. Dafür reicht eine einfache Sensitivitätsanalyse in einer Tabelle.

Die 6 wichtigsten Stellschrauben

  • Zins (Anschlussfinanzierung, Zinsbindung)
  • Auslastung (bei Ferienvermietung)
  • Mietpreis (Markt, Regulierung, Wettbewerb)
  • Energiekosten (Heizung, Strom)
  • Instandhaltung (unerwartete Reparaturen)
  • Leerstand/Wechselkosten (Makler, Renovierung, Mietausfall)

Mini-Stresstest (einfach, aber wirksam)

Prüfen Sie, ob Sie folgende Situationen aushalten:

  • Zins +1,5 Prozentpunkte bei Refinanzierung
  • Auslastung -20% für 12 Monate
  • Einmalige Sonderumlage/Repair: z. B. 8.000–15.000 EUR
  • Energiekosten +25%

Wenn Sie in diesen Szenarien schnell in Zahlungsprobleme geraten, ist entweder der Kaufpreis zu hoch, die Eigenkapitaldecke zu dünn oder das Vermietungsmodell zu optimistisch.

Schritt 9: Tools & Struktur für Ihre Kalkulation (Vorlage zum Nachbauen)

Sie müssen keine komplizierte Software nutzen. Eine gute Kalkulation passt in eine Tabellenkalkulation mit klaren Blättern:

Empfohlene Tabellenstruktur

  • 1. Annahmen: Kaufpreis, Fläche, Zins, Tilgung, Auslastung, Preise, Inflationsannahme
  • 2. Einmalkosten: Nebenkosten, Renovierung, Möbel, Puffer
  • 3. Laufende Kosten: monatlich/jährlich, fix/variabel
  • 4. Einnahmen: Miete/Kurzzeitumsatz, Gebühren, Reinigung
  • 5. Cashflow: vor/nach Tilgung
  • 6. Szenarien: Basis/optimistisch/stress

Fixkosten vs. variable Kosten sauber trennen

Gerade bei Ferienvermietung ist diese Trennung Gold wert:

  • Fix: Hausgeld, Versicherungen, Grundgebühren, Zinsen
  • Variabel: Reinigung, Wäsche, Verbrauchsmaterial, Plattformgebühren, Strom/Heizung (teilweise)

So sehen Sie sofort, ab welcher Belegung Sie „break-even“ laufen.

Schritt 10: Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

Wer eine Zweitwohnung kalkuliert, stolpert oft über dieselben Denkfehler. Hier sind die häufigsten – plus Gegenmaßnahmen.

Fehler 1: Nebenkosten werden zu niedrig angesetzt

  • Problem: Hausgeld, Energie, Versicherungen, Abgaben steigen.
  • Lösung: Rechnen Sie mit Puffer (z. B. +10–20% auf variable Kosten) und prüfen Sie Abrechnungen/Protokolle.

Fehler 2: Instandhaltung wird ignoriert

  • Problem: Sonderumlagen, Reparaturen, Geräteersatz.
  • Lösung: Jährliche Rücklage definieren und nicht antasten; Objektzustand prüfen (Heizung, Dach, Fenster, Leitungen).

Fehler 3: Ferienvermietung wird wie „passives Einkommen“ behandelt

  • Problem: Gästekommunikation, Reinigung, Bewertungen, Instandsetzung kosten Zeit oder Geld.
  • Lösung: Entweder Zeitbudget realistisch einplanen oder professionelles Management mit in die Kosten aufnehmen.

Fehler 4: Regeln zur Kurzzeitvermietung werden erst nach dem Kauf geprüft

  • Problem: Nutzung untersagt oder nur eingeschränkt möglich.
  • Lösung: Vorab rechtliche Prüfung, Hausordnung/Teilungserklärung lesen, Gemeinde/Stadt anfragen.

Fehler 5: Rendite wird nur über Wertsteigerung gerechtfertigt

  • Problem: Wertentwicklung ist unsicher, Liquidität kann kippen.
  • Lösung: Basisszenario ohne Wertsteigerung; Fokus auf tragfähigen Cashflow und ausreichende Reserven.

Deutschland & Österreich: Regionale Hinweise für eine praxisnahe Planung

Eine Zweitwohnung ist immer auch ein Standortthema. Für Leserinnen und Leser in Deutschland und Österreich sind folgende Aspekte besonders relevant:

Ballungsräume vs. Tourismusregionen

  • Ballungsräume (z. B. München, Frankfurt, Wien): hohe Kaufpreise, oft niedrigere Mietrenditen, dafür tendenziell starke Nachfrage – Kurzzeitvermietung kann stärker reguliert sein.
  • Tourismusregionen (Alpen, Seen, Küsten): Einnahmen stark saisonal, dafür in Hochsaison hohe Tagespreise möglich; Verwaltung und Servicekosten sind höher.

Grenznahe Nutzung (D-A) und Anreise

Viele Menschen aus Deutschland besitzen oder planen eine Zweitwohnung in Österreich (oder umgekehrt), besonders in alpinen Regionen. Kalkulieren Sie dabei:

  • Anreisekosten und Zeitaufwand (auch für Reparaturen/Übergaben)
  • Lokale Dienstleister: Verfügbarkeit und Preise für Handwerker, Reinigung, Hausbetreuung
  • Abgaben (Ortstaxe, touristische Beiträge) und Meldepflichten

Checkliste: Zweitwohnung kalkulieren – alle Posten auf einen Blick

Diese Liste können Sie direkt in Ihre Tabelle übertragen:

Einmalige Posten

  • Kaufpreis
  • Notar/Rechtsanwalt, Grundbuch
  • Grunderwerbsteuer (+ Eintragungsgebühr in AT)
  • Makler
  • Finanzierungsnebenkosten
  • Renovierung/Sanierung
  • Möbel, Küche, Ausstattung
  • Puffer/Reserve

Laufende Posten

  • Zinsen, Tilgung
  • Hausgeld/Betriebskosten
  • Rücklage/Instandhaltung
  • Strom, Heizung, Wasser (falls separat), Internet
  • Versicherungen
  • Grundsteuer (DE), weitere lokale Abgaben
  • Zweitwohnsitzsteuer (DE, falls zutreffend)
  • Ortstaxe/Kurtaxe (bei touristischer Vermietung)
  • Verwaltung/Service (bei Ferienvermietung)

Einnahmen (wenn vermietet)

  • Netto-Kaltmiete oder Tagespreis
  • Auslastung / Leerstand
  • Plattformgebühren
  • Reinigung/Wäsche
  • Sonstige Servicekosten

Fazit: So behalten Sie Kosten und Rendite Ihrer Zweitwohnung im Blick

Eine Zweitwohnung kann ein echter Gewinn sein – für Lebensqualität, Flexibilität oder als langfristige Anlage. Der Schlüssel ist eine Kalkulation, die vollständig ist (inklusive Nebenkosten, Rücklagen, Abgaben), realistisch bleibt (konservative Auslastung, Puffer) und robust getestet wird (Szenarien, Zins- und Kostenstress).

Wenn Sie Ihre Zweitwohnung richtig kalkulieren, treffen Sie Entscheidungen nicht aus Hoffnung, sondern auf Basis von Zahlen: Sie wissen, welche monatliche Belastung tragbar ist, welche Vermietungsstrategie sich lohnt und wo die größten Risiken liegen. Genau so behalten Sie Kosten und Rendite dauerhaft im Blick – in Deutschland ebenso wie in Österreich.

Siehe auch

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