Erdungsanlage richtig planen: So schaffen Sie eine sichere Basis für Ihr Gebäude

Warum die Erdungsanlage so wichtig ist

Ob Neubau, Sanierung oder Erweiterung: Eine Erdungsanlage ist das zentrale Element für den Schutz gegen elektrischen Schlag und ein wesentlicher Baustein für Blitzschutz und Überspannungsschutz. Sie stellt eine definierte, niederohmige Verbindung zwischen der elektrischen Anlage und der Erde her. Dadurch werden Fehlerströme sicher abgeleitet, Potentialunterschiede minimiert und im Fehlerfall können Sicherungen, FI/RCDs oder Schutzschalter zuverlässig auslösen.

In der Praxis zeigt sich: Viele Schäden durch Überspannungen, indirekte Blitzeinwirkungen oder Isolationsfehler lassen sich deutlich reduzieren, wenn Erdung und Potentialausgleich richtig konzipiert sind. Gerade in Deutschland und Österreich, wo Normen und Prüfpflichten im Bau- und Elektrobereich streng gehandhabt werden, zahlt sich eine solide Planung aus – technisch und wirtschaftlich.

Schutzziele im Überblick

  • Personenschutz: Reduzierung gefährlicher Berührungsspannungen, sicheres Abschalten im Fehlerfall.
  • Brandschutz: Ableitung von Fehlerströmen und Blitzteilströmen, Vermeidung von Lichtbögen an ungeeigneten Übergangsstellen.
  • Geräteschutz: Stabiler Bezugspunkt für Überspannungsableiter und EMV-gerechte Installation.
  • Betriebssicherheit: Reproduzierbare, normgerechte Erdungs- und Potentialverhältnisse, bessere Fehlersuche.

Normen und Regelwerke in Deutschland & Österreich

Wer eine Erdungsanlage plant, bewegt sich im Zusammenspiel mehrerer Normen und technischer Regeln. Die konkrete Anwendung hängt u. a. von Gebäudetyp, Netzform (z. B. TN, TT), Blitzschutzkonzept und den örtlichen Anschlussbedingungen ab.

Wichtige Normen (Auswahl)

  • DIN 18014 (DE): Fundamenterder – Planung, Ausführung, Dokumentation.
  • DIN VDE 0100-540 (DE) / OVE E 8101 (AT, je nach Ausgabe): Erdungsanlagen, Schutzleiter, Potentialausgleich.
  • DIN EN 62305 (VDE 0185-305): Blitzschutz – Risikoanalyse, äußere/innere Blitzschutzmaßnahmen.
  • DIN EN 62561: Komponenten des Blitzschutzsystems (Klemmen, Leiter, Erdungsmaterial).

Praxis-Hinweis: In Österreich sind je nach Projekt die Vorgaben der Netzbetreiber und die Anwendung der einschlägigen OVE-Richtlinien entscheidend. In Deutschland spielt neben VDE insbesondere die DIN 18014 beim Neubau eine Schlüsselrolle, insbesondere in Bezug auf Dokumentationspflichten (z. B. Fotos, Mess- und Prüfprotokolle).

Grundlagen: Begriffe, Komponenten und Zusammenhänge

Eine moderne Erdungsanlage besteht selten nur aus „einem Erder“. Meist ist sie Teil eines Gesamtsystems aus Erdern, Potentialausgleich und Schutzmaßnahmen. Wer eine Erdungsanlage richtig planen will, sollte diese Begriffe sauber trennen.

Erdungsanlage vs. Potentialausgleich

Erdungsanlage bezeichnet die Gesamtheit aller Einrichtungen, die den Kontakt zur Erde herstellen (z. B. Fundamenterder, Ringerder, Tiefenerder). Der Potentialausgleich verbindet leitfähige Teile im Gebäude untereinander (z. B. Wasser-/Heizungsrohre, Metallkonstruktionen, Schutzleiter, Antennenanlage) und koppelt sie an die Haupterdungsschiene (HES) bzw. Hauptpotentialausgleichsschiene (PAS).

HES/PAS – der zentrale Knotenpunkt

Die Haupterdungsschiene ist die zentrale Stelle, an der typischerweise zusammengeführt werden:

  • Erderanschlussleiter (vom Fundament-/Ring-/Tiefenerder)
  • Schutzleiter (PE) der elektrischen Anlage
  • Hauptpotentialausgleichsleiter zu Rohrsystemen, Stahlteilen, ggf. Blitzschutz
  • ggf. Funktionspotentialausgleich (z. B. für IT/Telekommunikation)

Schritt 1: Rahmenbedingungen klären (bevor gegraben oder betoniert wird)

Gute Erdung beginnt nicht auf der Baustelle, sondern am Planungstisch. Je früher Erdungs- und Blitzschutzfragen im Projekt berücksichtigt werden, desto einfacher und günstiger wird die Umsetzung.

Gebäudetyp und Nutzung

Wohnhaus, Mehrfamilienhaus, Gewerbe, landwirtschaftlicher Betrieb oder Sonderbau: Die Nutzung beeinflusst u. a. die erforderliche Verfügbarkeit, EMV-Anforderungen und die Risikobewertung für Blitzschutz.

Netzform und Schutzkonzept (TN/TT)

Die Netzform hat erheblichen Einfluss auf die Anforderungen an die Erdungsanlage:

  • TN-Systeme: Der Schutzleiter ist mit dem Sternpunkt des Versorgers verbunden. Die Erdung ist trotzdem wichtig, insbesondere für Potentialausgleich, Blitz- und Überspannungsschutz.
  • TT-Systeme: Der Anlagenerder ist für das Abschalten im Fehlerfall zentral (RCD zwingend). Hier sind niedrige Erdungswiderstände besonders relevant.

Bodenverhältnisse und Standort

Der spezifische Erdwiderstand hängt stark von Bodenart, Feuchte und Temperatur ab. Typische Einflussfaktoren:

  • Sand/Kies: häufig höherer Widerstand, ggf. Tiefenerder oder größerer Ringerder nötig
  • Lehm/tonig: oft günstiger (niedrigerer Widerstand)
  • Felsiger Untergrund: Planung anspruchsvoller; alternative Erdungsmaßnahmen prüfen
  • Hanglage/Grundwasser: kann helfen oder erschweren, abhängig von Schichtaufbau

In Deutschland und Österreich sind zudem Frosttiefe und lokale Bauweise relevant. Erdleiter sollten so verlegt werden, dass sie dauerhaft in geeigneten Feuchtezonen liegen und mechanisch geschützt sind.

Schritt 2: Den passenden Erder-Typ auswählen

Die Auswahl hängt von Neubau vs. Bestand, Fundamentart, Boden und Blitzschutzkonzept ab. Häufig werden mehrere Erderarten kombiniert, um sowohl elektrische Werte als auch Langlebigkeit zu optimieren.

Fundamenterder (Standard im Neubau)

Der Fundamenterder ist in vielen Neubauten die bevorzugte Lösung, da er in Beton eingebettet wird und großflächigen Kontakt zur Erde (über den Beton) ermöglicht. Wichtig ist die fachgerechte Ausführung mit korrosionsbeständigen Materialien und die Sicherstellung der leitenden Verbindung.

Wesentliche Planungsaspekte:

  • Verlegung als geschlossener Ring oder Masche im Fundamentbereich
  • Ausreichende Anschlussfahnen (z. B. zur HES, zu Blitzschutzableitungen)
  • Korrosionsschutz und Materialwahl (z. B. Edelstahl in bestimmten Fällen)
  • Durchgängigkeit und sichere Verbindungen (zugelassene Klemmen/Schweißverbindungen)

Ringerder (besonders bei Perimeterdämmung / „weißer Wanne“)

Wenn das Fundament durch Abdichtungen, Perimeterdämmung oder wasserundurchlässigen Beton (WU-Beton, „weiße Wanne“) vom Erdreich elektrisch entkoppelt ist, kann ein Ringerder außen um das Gebäude herum erforderlich oder sinnvoll sein. Der Ringerder wird im Erdreich verlegt und bietet direkten Kontakt zum Boden.

Typische Vorteile:

  • Guter Erdkontakt trotz isolierender Fundamentausführung
  • Flexibel nachrüstbar bzw. beim Neubau leicht integrierbar
  • Günstige Ergänzung für Blitzschutz (Ableitungen kurz anbinden)

Tiefenerder (bei schwierigen Bodenverhältnissen oder TT-Anforderungen)

Ein Tiefenerder (Staberder) wird vertikal in den Boden eingebracht, um tiefere, feuchtere und leitfähigere Bodenschichten zu erreichen. Das ist besonders interessant bei trockenen, sandigen Böden oder wenn im TT-System ein niedriger Erdungswiderstand benötigt wird.

Planungshinweise:

  • Standort so wählen, dass dauerhaft feuchte Bodenschichten erreicht werden
  • Mechanische Einbringbarkeit (Gerätezugang, Leitungen im Boden)
  • Korrosionsverträglichkeit mit vorhandenen Metallen

Kombinationen: oft die beste Lösung

In der Praxis werden Erdungsanlagen häufig kombiniert, etwa:

  • Fundamenterder + Ringerder (optimale Erdungs- und Blitzstromverteilung)
  • Ringerder + Tiefenerder (bei hohem spezifischen Erdwiderstand)
  • Fundamenterder + zusätzliche Tiefenerder (gezielte Verbesserung des Erdungswiderstands)

Schritt 3: Materialwahl und Korrosionsschutz richtig beurteilen

Die Lebensdauer einer Erdungsanlage steht und fällt mit der Materialwahl und der korrekten Trennung bzw. Verbindung unterschiedlicher Metalle. Besonders kritisch sind Übergänge, Klemmenstellen und Bereiche mit dauerhaft hoher Feuchte.

Typische Materialien

  • Bandstahl (z. B. feuerverzinkt): häufig verwendet, robust, im Beton üblich
  • Rundstahl (feuerverzinkt): ebenfalls verbreitet
  • Edelstahl (z. B. V4A): häufig bei aggressiven Böden, WU-Beton/Perimeterdämmung, Außenbereich
  • Kupfer: im Erdreich möglich, aber galvanische Verträglichkeit beachten

Galvanische Korrosion vermeiden

Werden unterschiedliche Metalle kombiniert (z. B. Kupfer mit verzinktem Stahl), kann es zu Kontaktkorrosion kommen. Die Planung sollte daher:

  • Materialkombinationen bewusst wählen und normgerecht ausführen
  • zugelassene Verbinder/Klemmen nutzen
  • kritische Übergänge so platzieren, dass sie zugänglich und prüfbar sind

Schritt 4: Potentialausgleich systematisch planen

Eine Erdungsanlage allein ist nicht genug – erst mit einem konsequenten Potentialausgleich entsteht eine sichere Gesamtstruktur. Ziel ist, im Fehler- oder Blitzfall gefährliche Potentialdifferenzen zu minimieren.

Hauptpotentialausgleich: Was muss angebunden werden?

Je nach Gebäude sind typischerweise einzubeziehen:

  • Metallene Wasserleitungen (sofern vorhanden und leitfähig)
  • Heizungs-/Fernwärmeleitungen
  • Gasleitungen (nach Vorgaben, i. d. R. mit geeigneten Klemmen; Betreiberhinweise beachten)
  • Metallene Gebäudekonstruktionen (Stahlträger, Bewehrung – sofern vorgesehen)
  • Schutzleiter PE der Elektroanlage
  • Antennen-/SAT-Anlagen und ggf. Telekommunikationsanlagen (je nach Konzept)
  • PV-Anlage (Rahmen, Gestell, Schutzpotentialausgleich nach Hersteller/Norm)

Zusätzlicher Potentialausgleich in besonderen Bereichen

In Bädern, Technikräumen oder Bereichen mit erhöhtem Risiko kann ein zusätzlicher Potentialausgleich erforderlich bzw. empfehlenswert sein. Gerade bei Sanierungen in Altbauten (häufig in DE/AT) ist die Nachrüstung ein großer Sicherheitsgewinn.

Schritt 5: Blitzschutz und Überspannungsschutz integrieren

In vielen Projekten wird die Erdung erst dann „Thema“, wenn eine PV-Anlage, Wallbox, Wärmepumpe oder Gebäudetechnik eingebaut wird – dabei sind gerade diese Anlagen empfindlich gegenüber Überspannungen. Eine Erdungsanlage muss daher mit dem Blitz- und Überspannungsschutz zusammengedacht werden.

Äußerer Blitzschutz (Fang-/Ableiteinrichtungen)

Wenn ein äußeres Blitzschutzsystem geplant ist (oder notwendig wird, z. B. durch Risikobewertung, Versicherungsanforderungen oder Gebäudeklasse), muss die Erdungsanlage Blitzströme sicher aufnehmen und verteilen können. Das beeinflusst:

  • Anzahl und Position der Ableitungen
  • Anschlussstellen an den Erder (kurz, geradlinig, zugänglich)
  • Ausführung als Ringerder oder Maschenerder zur Stromverteilung

Innerer Blitzschutz: Überspannungsableiter (SPD)

Überspannungsableiter funktionieren nur dann optimal, wenn sie eine kurze, niederinduktive Ableitung zur Erdung/Potentialausgleichsschiene haben. Bei der Planung bedeutet das:

  • HES/PAS nahe am Hausanschluss-/Zählerplatz sinnvoll positionieren
  • Leiterführung kurz und ohne Schleifen
  • Koordination von SPD Typ 1/2/3 (je nach Anlage und Blitzschutzkonzept)

Photovoltaik, Wärmepumpe, Wallbox: typische DE/AT-Szenarien

In Deutschland und Österreich sind PV-Anlagen und Wärmepumpen inzwischen Standard. Damit steigen auch Anforderungen an Erdung, Potentialausgleich und Überspannungsschutz:

  • PV: DC- und AC-seitiger Überspannungsschutz, Gestell-/Rahmenanbindung, Einbindung in Blitzschutz (falls vorhanden)
  • Wärmepumpe: Außenaufstellung → Potentialausgleich/Schutzleiterführung, Überspannungsschutz
  • Wallbox: empfindliche Elektronik, oft lange Leitungswege → SPD-Konzept und sauberer Potentialausgleich wichtig

Schritt 6: Dimensionierung und Ausführung – worauf es praktisch ankommt

Die Dimensionierung (Querschnitte, Leiterarten, Verbindungsmittel) richtet sich nach Normen, Blitzschutzklasse (falls relevant) und mechanischen Bedingungen. Eine gute Planung ist so detailliert, dass sie auf der Baustelle eindeutig umgesetzt werden kann.

Leiterführung und Anschlusspunkte

Planen Sie Anschlussfahnen und Leitungswege so, dass sie:

  • zugänglich bleiben (Revision, Messungen, spätere Erweiterungen)
  • mechanisch geschützt sind (z. B. gegen Beschädigungen bei Erdarbeiten)
  • möglichst kurz und geradlinig zur HES/PAS führen

Verbindungen: zugelassen, dauerhaft, dokumentierbar

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Klemmen- und Verbindungsstellen. Verwenden Sie ausschließlich normgerechte und für den Einsatzzweck zugelassene Komponenten (z. B. blitzstromtragfähige Klemmen im Blitzschutzkontext). Schlechte Verbindungen sind eine der häufigsten Ursachen für spätere Probleme.

Beton, Abdichtung, Perimeterdämmung

Bei modernen Gebäudehüllen (WU-Beton, Abdichtbahnen, Perimeterdämmung) muss der Planer sicherstellen, dass der Erder tatsächlich wirksam ist. Ein im Beton liegender Leiter kann durch die Bauweise elektrisch „isoliert“ wirken. Dann braucht es häufig zusätzliche Maßnahmen (z. B. Ringerder im Erdreich, definierte Durchführungen, Anschlussfahnen).

Schritt 7: Messung, Prüfung und Dokumentation

Eine Erdungsanlage ist nicht „fertig“, wenn sie verlegt ist, sondern wenn sie nachweislich den Anforderungen entspricht. In Deutschland und Österreich sind Dokumentation und Prüfprotokolle entscheidend – auch für spätere Umbauten, Versicherungsfragen oder die Abnahme.

Was sollte dokumentiert werden?

  • Lageplan der Erdungsanlage (Verlauf, Anschlusspunkte, Tiefen)
  • Fotodokumentation (vor dem Betonieren/Verfüllen)
  • Materialangaben (Typ, Werkstoff, Querschnitt)
  • Angaben zu Verbindern/Klemmen (Hersteller/Typ)
  • Mess- und Prüfprotokolle (Durchgängigkeit, Erdungswiderstand – soweit zutreffend)

Erdungswiderstand: was ist „gut“?

Ein pauschaler Zielwert ist schwer, weil er von Netzform, Schutzmaßnahmen und Normen abhängt. Im TT-System ist der Erdungswiderstand besonders relevant für das sichere Abschalten in Kombination mit RCD. Im Blitzschutzkontext zählen zudem Stromverteilung, Impulsverhalten und die Qualität der Verbindungen. Wichtig ist: Messungen müssen mit geeigneten Verfahren und Geräten erfolgen und nachvollziehbar dokumentiert sein.

Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

Viele Probleme entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus fehlender Abstimmung zwischen Rohbau, Abdichtung, Tiefbau und Elektro. Diese Fehler kosten später Zeit und Geld – oder verschlechtern die Schutzwirkung.

Häufige Planungs- und Ausführungsfehler

  • Zu späte Planung: Erdungsanlage wird erst nach dem Betonieren „mitgedacht“.
  • Ungeeignete Materialkombinationen: Risiko von Korrosion an Übergängen.
  • Fehlende Anschlussfahnen: PV, Blitzschutz oder Technikräume lassen sich nur mit Aufwand nachträglich anbinden.
  • Unzugängliche Verbindungen: Klemmenstellen sind später nicht prüfbar.
  • Schlechte Leiterführung: lange, verschlungene Wege erhöhen Induktivität (schlecht für Überspannungsschutz).
  • Keine Dokumentation: später keine Nachweise, erschwerte Fehlersuche und Abnahme.

Best Practices für Bauherren und Planer

  • Frühzeitig Elektroplanung, Blitzschutzplanung und Rohbau abstimmen.
  • Bei WU-Beton/Perimeterdämmung den Ringerder von Anfang an mitplanen.
  • HES/PAS so platzieren, dass kurze Wege zu Hausanschluss, SPD und Technik entstehen.
  • Fotos und Pläne konsequent erstellen (vor dem Verfüllen/Betonieren).

Planungsbeispiele aus der Praxis (DE/AT-typisch)

Beispiel 1: Einfamilienhaus mit PV und Wallbox (Neubau)

Ausgangslage: Neubau, moderne Gebäudehülle, PV-Anlage geplant, Wallbox in der Garage, Wärmepumpe außen.

Sinnvolle Planung:

  • Fundamenterder nach DIN 18014, zusätzliche Anschlussfahne Richtung Garage
  • Bei Perimeterdämmung: Ringerder im Erdreich und definierte Anschlusspunkte
  • HES/PAS nahe Hausanschlussraum, kurze Verbindung zu SPD im Zählerschrank
  • Potentialausgleich für metallene Systeme und Anbindung der PV-Unterkonstruktion nach Konzept

Beispiel 2: Altbau-Sanierung in Österreich (TT-System möglich)

Ausgangslage: Teilmodernisierung, neue Unterverteilung, Bad saniert, alte Erdung unklar.

Empfehlung:

  • Bestandsaufnahme (Sichtprüfung, Messungen) durch Fachbetrieb
  • Bei unzureichender Erdung: Nachrüstung über Ringerder oder Tiefenerder
  • Hauptpotentialausgleich auf aktuellen Stand bringen (Rohrsysteme, Schutzleiter, Antenne/Telekom nach Bedarf)
  • RCD-Konzept prüfen und Überspannungsschutz nachrüsten, wenn sinnvoll

Checkliste: Erdungsanlage planen – kompakt

  • Projektstart: Netzform klären (TN/TT), Nutzungsprofil, Technik (PV, Wallbox, Wärmepumpe).
  • Normen: DIN 18014, VDE/OVE, EN 62305 (bei Blitzschutz) berücksichtigen.
  • Boden: Bodenklasse/Feuchte/Frosttiefe/Grundwasser berücksichtigen; bei Bedarf Tiefenerder vorsehen.
  • Erderwahl: Fundamenterder vs. Ringerder vs. Tiefenerder – ggf. Kombination.
  • Material: Korrosionsschutz und Materialverträglichkeit planen (Übergänge!)
  • HES/PAS: Position festlegen, Zugänglichkeit sicherstellen, Reserven für Erweiterungen.
  • Potentialausgleich: alle relevanten leitfähigen Teile systematisch erfassen.
  • Blitz/Überspannung: SPD-Konzept und ggf. Blitzschutzsystem integrieren.
  • Doku & Prüfung: Fotos, Pläne, Messprotokolle, Abnahme organisieren.

Fazit: Mit guter Planung zur dauerhaft sicheren Erdungsanlage

Eine Erdungsanlage ist kein Detail, sondern eine sicherheitsrelevante Kernstruktur Ihres Gebäudes. Wer sie frühzeitig und normorientiert konzipiert, schafft die Grundlage für zuverlässigen Personenschutz, robusten Überspannungs- und Blitzschutz sowie stabile Potentialverhältnisse – besonders wichtig in technisch modern ausgestatteten Häusern in Deutschland und Österreich. Wenn Sie Ihre Erdungsanlage richtig planen, profitieren Sie von klaren Zuständigkeiten auf der Baustelle, weniger Nacharbeiten und einem System, das auch zukünftige Erweiterungen (PV, Speicher, E-Mobilität) sauber mitträgt.

Hinweis: Die konkrete Auslegung und Ausführung sollte immer durch qualifizierte Elektro- und/oder Blitzschutz-Fachkräfte erfolgen. Normen und Netzbetreiberanforderungen können je nach Region und Projekt variieren.

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